NOW2NEXT - Meet the Mentor: Uwe Beikirch
Warum engagiert sich ein erfolgreicher Manager mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der IT-Branche als Mentor im DZ.S? Im Interview spricht er darüber und erklärt, welche Themen Gründer:innen wirklich umtreiben. Und er verrät, warum Mentoring im NOW2NEXT-Programm anders funktioniert und welches Mindset Teams heute erfolgreicher macht als je zuvor.
Uwe, du bringst über zwei Jahrzehnte Erfahrung aus IT, Healthcare und Führungsrollen mit. Was hat dich ursprünglich motiviert, dich als Mentor beim DZ.S zu engagieren?
Mich hat vor allem die Möglichkeit motiviert, meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben, die Erfolge aber auch die Fehler, aus denen ich gelernt habe. In über 20 Jahren in IT-Unternehmen, vom Vertriebsleiter über die Geschäftsführung bis hin zum Vorstand, habe ich viele Wachstumsphasen, Transformationen und auch kritische Situationen erlebt. Dieses Erfahrungswissen möchte ich Gründerinnen und Gründern zugänglich machen, damit sie typische Stolpersteine vermeiden und schneller in die Umsetzung kommen.
Gleichzeitig begeistert mich immer wieder, welche Persönlichkeiten ich kennenlernen darf: mutige, kreative und hoch engagierte Gründerinnen und Gründer mit einer klaren Vision. Dieser Unternehmergeist, diese Energie und die Innovationskraft empfinde ich als sehr inspirierend und genau das macht die Arbeit im Umfeld des Digitales Zentrum Schwaben (DZ.S) für mich so wertvoll. Für mich ist Mentoring deshalb keine Einbahnstraße, sondern ein gegenseitiger Lernprozess. Genau das macht die Arbeit mit Gründer:innen so spannend und erfüllend.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die regionale Verantwortung. Ich bin seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Digitalumfeld in Schwaben engagiert und halte es für entscheidend, dass wir hier vor Ort ein starkes Startup-Ökosystem aufbauen. Das DZ.S leistet hier mit dem Accelerator-Programm NOW2NEXT einen wichtigen Beitrag.
Du bist jetzt Berater, Coach und Sparringspartner für Start-ups, Mittelstand und Investoren. Gibt es Themen, die übergreifend alle beschäftigen? Wenn ja, welche?
Ja, die gibt es. Ein Thema ist beispielsweise Klarheit über das Geschäftsmodell, die Zielkunden und die eigene Positionierung im Markt. Bei viele Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – ist der Kundennutzen nicht klar oder es gibt kein gemeinsames Verständnis darüber, wer überhaupt Kunde ist. Nur dann findet man Antworten auf Fragen wie: "Für wen lösen wir welches konkrete Problem? Und wie verdienen wir damit nachhaltig Geld?"
Weitere Themen sind Go-to-Market und Vertrieb. Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen wird sehr stark auf Produkt und Innovation fokussiert, was wichtige Voraussetzungen sind. Aber Erfolg und Wachstum entstehen nur, wenn man diese Produkte erfolgreich am Markt bei Kunden positioniert. Fragen wie „Wer ist unser idealer Kunde“, „Wer sind dort unsere wichtigen Ansprechpartner“, „Wie und wo erreichen wir diese“, „Wie skalieren wir unseren Vertrieb?“, „Wie bauen wir wiederkehrende Umsätze auf?“ oder „Wie schaffen wir eine belastbare Pipeline?“ beschäftigen Start-ups genauso wie mittelständische Unternehmen.
Häufig ist auch Führung und Unternehmenskultur ein Thema. Wachstum bringt immer Veränderung mit sich. Strukturen, die mit zehn Mitarbeitenden funktionieren, tragen nicht automatisch bei 50 oder 300. Führungskräfte müssen lernen, Verantwortung abzugeben, klare Prioritäten zu setzen und eine Kultur zu schaffen, die Leistung, Vertrauen und Eigenverantwortung verbindet.
Und schließlich geht es fast immer um Transformation. Sei es durch Digitalisierung, neue Märkte, Internationalisierung oder veränderte Kundenanforderungen. Die zentrale Frage lautet: Wie bleibt man anpassungsfähig, ohne die eigene Identität zu verlieren?
Du betreust Startups in vielen Kontexten. Was unterscheidet das Mentoring im DZ.S bzw. bei NOW2NEXT von anderen Programmen?
Das Besondere am Mentoring im DZ.S ist für mich die Kombination aus regionaler Verankerung, echter Praxisnähe und persönlicher Betreuung. Bei N2N geht es nicht um ein standardisiertes „One-size-fits-all“-Programm. Die Startups werden sehr individuell begleitet – mit klaren Meilensteinen, aber gleichzeitig mit viel Raum für die spezifischen Herausforderungen jedes Teams. Das Mentoring ist kein theoretisches Coaching, sondern sehr operativ und umsetzungsorientiert. Wir diskutieren konkrete Vertriebsstrategien, Pricing-Modelle, Investorengespräche oder Organisationsfragen. Kurzum genau die Themen, die im Alltag wirklich entscheiden.
Ein weiterer Unterschied ist die enge Einbindung in das regionale Netzwerk. Das DZ.S schafft eine Plattform, auf der Gründer, erfahrene Unternehmer und Investoren auf Augenhöhe zusammenkommen.
Welche Rolle spielen Netzwerk und Matching für dich im Mentoring? Wie erlebst du das Zusammenspiel im DZ.S?
Netzwerk und gutes Matching sind aus meiner Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor im Mentoring. Gerade in frühen Phasen entscheidet oft nicht nur die Idee, sondern wer die richtigen Kontakte zur richtigen Zeit hat, sei es zu Pilotkunden, Vertriebspartnern, Investoren oder erfahrenen Unternehmern. Deshalb verstehe ich meine Rolle nicht nur als Sparringspartner in Strategie- oder Führungsfragen, sondern auch als Brückenbauer. Denn durch meine langjährige Tätigkeit habe ich ein Netzwerk aufgebaut, das ich einbringen kann, wenn es zum jeweiligen Startup passt.
Hier sehe ich übrigens auch eine große Stärke des DZ.S. Durch das große regionale und überregionale Netzwerk kann das DZ.S Gründern Zugang zu Industrie, Mittelständlern, Investoren und auch anderen Startups verschaffen.
Wo unterschätzen Gründer:innen oft die Komplexität? Was sind deiner Ansicht nach die häufigsten Stolperfallen?
Viele Gründerinnen und Gründer unterschätzen weniger die Technologie, sondern vielmehr die Komplexität von Markt, Vertrieb und Organisation.
Die erste große Stolperfalle ist aus meiner Sicht der Go-to-Market. Ein gutes Produkt allein reicht nicht. Häufig wird angenommen, dass sich eine überzeugende Lösung „von selbst verkauft“. Wie eben schon erwähnt braucht es in der Realität eine klare Positionierung, ein präzises Verständnis der Zielkundensegmente, ein funktionierendes Pricing-Modell und vor allem einen strukturierten Vertriebsprozess.
Ein zweiter Punkt ist das Thema Fokus. Gerade in frühen Phasen kommen viele Chancen gleichzeitig: neue Features, neue Branchen, neue Partnerschaften. Die Versuchung ist groß, überall mitzugehen. Doch fehlender Fokus führt schnell zu Verzettelung. Skalierung entsteht nicht durch maximale Breite, sondern durch konsequente Priorisierung.
Und schließlich wird oft die Finanzierungs- und Liquiditätsplanung unterschätzt. Wachstum kostet Geld, insbesondere im Vertrieb und im Personalaufbau. Wer hier zu optimistisch plant oder zu spät mit Investoren spricht, gerät unnötig unter Druck. Und die vertrieblichen Erfolge lassen meist länger aus sich warten als gedacht und die Gespräche und Verhandlungen mit Investoren dauern länger als angenommen. Ein halbes Jahr vergeht schnell…
Was ist ein Verhalten oder Mindset, das deiner Erfahrung nach erfolgreiche Gründer:innen auszeichnet?
Erfolgreiche Gründerinnen und Gründer haben eine klare Vision und eine starke innere Überzeugung für das Problem, das sie lösen wollen. Sie wissen, warum sie antreten und können das anderen überzeugend vermitteln: dem Team, Kunden und Investoren. Gleichzeitig sind sie bereit, Annahmen konsequent zu hinterfragen. Sie verwechseln Überzeugung nicht mit Starrheit. Sie hören aktiv zu, holen sich Feedback, analysieren Zahlen nüchtern und sind bereit, Kurskorrekturen vorzunehmen, wenn der Markt es erfordert. Eine ausgewogene Kombination aus Entschlossenheit und Anpassungsfähigkeit ist aus meiner Erfahrung ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Ein weiteres Merkmal ist Umsetzungsstärke. Viele Menschen haben gute Ideen. Erfolgreiche Gründer unterscheiden sich dadurch, dass sie ins Handeln kommen, Prioritäten setzen und konsequent liefern. Sie akzeptieren, dass nicht alles perfekt sein kann und dass Fortschritt wichtiger ist als Perfektion.
Noch eine letzte Frage, vor der abschließenden Schnellfragerunde: Was lernst du selbst aus der Begleitung von Startups?
Schnellfragerunde:
1. Go-to-Market: eher "Speed" oder "Fokus"
Fokus
2. Dein Startup Buzzword des Jahres?
Agentic-KI
3. Welches Tool möchtest du im Arbeitsalltag nicht missen?
Im Arbeitsalltag als Beirat und Advisor, sind Outlook und Teams. Zusätzlich nutze ich ChatGPT und Copilot, um mich von Routinetätigkeiten zu entlasten und Analysen zu beschleunigen.
Uwe, vielen Dank für deine Einblicke und natürlich für deine langjährige Unterstützung als NOW2NEXT-Mentor!



